Stimmungsvoll beleuchtetes Rathaus, davor eine Bühne mit Musikern und Sängern Pfaffenhofen

Joseph-Maria-Lutz-Stipendiatin 2022: Anahit Bagradjans

Anahit Bagradjans
© Luca Manuel Kieser

Anahit Bagradjans ist die neue Joseph-Maria-Lutz-Stipendiatin der Stadt Pfaffenhofen. Bagradjans, die 1995 in Krasnodar in der Russischen Föderation geboren wurde, hat in Berlin, Florenz und in Wien studiert, unter anderem Sprachkunst an der Universität für angewandte Kunst und Critical Studies an der Akademie der bildenden Künste. 2021 ist sie mit dem Hauptpreis der EXIL-Literaturpreise der Stadt Wien ausgezeichnet worden. Bagradjans wird voraussichtlich Anfang September als diesjährige Lutz-Stipendiatin in den Flaschl-Turm ziehen und die Herbstmonate dort verbringen. Zum Abschluss ihres Stipendienaufenthalts wird sie dann ihren Text über Pfaffenhofen – ihren „Zwischenfall“ – dem Pfaffenhofener Publikum vorstellen. Zudem wird die weitgereiste Autorin, die schon viele Erfahrungen im literarischen Leben gesammelt hat und auch offen für verschiedenste Aspekte der Literatur-Vermittlung ist, eine interessante Belebung des Pfaffenhofener Kulturlebens und spannende Begegnungen mit dem Publikum. Bagradjans wird am 3. November auf der Pfaffenhofener Lesebühne auftreten.

Ihr Text „Von oben gesehen sind alle Toten haarlos“ der aus Goslar stammenden Autorin überzeugte die Mitglieder der Pfaffenhofener Fachjury. Anahit Bagradjans verknüpft darin verschiedene historische Ereignisse: Im Zentrum ihrer kurzen Erzählung steht die Erschießung von Mehmed Talât Pascha, einem Großwesir des Osmanischen Reiches, 1921 in Berlin. Talât war einer der Hauptverantwortlichen für den Völkermord an den Armeniern während des Ersten Weltkriegs.

Die junge Autorin nutzt in ihrem Roman eine bewusst sehr einfache Sprache, so die Jury weiter, die ihre ganz eigene Dynamik entwickelt. Es entstehe ein erzählerischer Sog. Beeindruckend sei der sehr bewusste und sichere Umgang mit aufs Wesentliche reduzierter Sprache und literarischem Stil, der sich durch starke Bilder auszeichne. Bagradjans Vermögen, in einem kurzen Text sehr komplexe Ereignisse zu schildern, prädestiniere sie besonders für die Aufgabe, einen „Zwischenfall“ für Pfaffenhofen zu verfassen, so die Jury. Nach Ablauf der Bewerbungsfrist lagen knapp 80 Einsendungen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum vor.