Geschichten über Terror, Mobbing und den Mut zur Versöhnung
02. Januar 2026
© Verlag Thienemann
Fernando Aramburu:
PatriaAramburu, geboren in San Sebastian im Baskenland, behandelt in seinem Roman den Terror der ETA. Am Beispiel zweier zuerst befreundeter Familien in einem baskischen Dorf wird gezeigt, wie Opfer und ihre Angehörigen, aber auch die Angehörigen der Täter unter der Gewalt leiden. Die Geschichte ist unterteilt in kurze, max. 9 Seiten lange Kapitel, die nicht chronologisch aufeinander folgen. Jedes Kapitel erzählt eine Episode aus der Sicht einer der beteiligten Personen. Da die Opferfamilie 4 und die Täterfamilie 5 Mitglieder hat, gibt es 9 verschiedene Perspektiven auf das Geschehen, was dazu führt, dass man für jede Person ein gewisses Verständnis, vielleicht sogar Sympathie entwickeln kann. Die einzelnen Kapitel wirken wie Puzzle-Teile, die der Leser zusammensetzen muss, bis die Zusammenhänge sichtbar werden. Und, soviel sei hier verraten, der Roman hat ein versöhnliches Ende.
Stadtbücherei, A. Bauer
Oskar Kroon:
Wir zwei gegen die PissrattenEin Junge wird nach und nach zum Mobbingopfer.
Kaj ist der beste kleine Bruder, den man sich vorstellen kann. Und Krister ist der beste große Bruder, den man sich vorstellen kann. Beide zusammen sind eigentlich unschlagbar. Eigentlich… Denn alles wird anders, als Krister nach und nach zum Mobbingopfer einer Dreiergruppe skrupelloser Jungs wird, die die gleiche Schule besuchen wie die beiden Brüder. Obwohl Kaj und seine selbstbewusste Freundin Naima die Lehrerin informieren, hilft deren punktuelles Eingreifen nur kurzfristig. Immer wieder lauert die Dreiergang um Anführer Sacke ihrem Opfer Krister auf. Sie beleidigen und schikanieren ihn, zerstören wertvolle persönliche Dinge und schrecken auch vor körperlicher Gewalt nicht zurück. Als sie auch noch den letzten Rückzugsort von Krister, Kaj und Naima hinter einer Hütte auf dem Schrottplatz ausfindig machen, spitzt sich die Lage zu. Krister will keine Erwachsenen einschalten, da er Angst hat, damit alles nur noch schlimmer zu machen und resigniert in der Rolle des Opfers. Naima und Kaj sehen keinen anderen Ausweg als selbst einen Racheplan zu schmieden und in die Tat umzusetzen. Die Situation eskaliert und endet beinahe in einer Tragödie.
Sehr authentisch werden in dieser Geschichte die unterschiedlichen Rollen und typischen Verhaltensmuster innerhalb einer Mobbingsituation dargestellt. Besonders intensiv erlebt man die widerstreitenden Gefühle des Ich-Erzählers Kaj, der zwischen Solidarität zu seinem Bruder, dem Wunsch sich seinem Vater mitzuteilen, Loyalität zum Racheplan seiner besten Freundin Naima und dem unterschwelligen Gefühl, dass das alles so nicht richtig sein kann, hin und her schwankt. Erst als Kaj den Mut findet, auf seine eigene Stimme zu hören, kommt er zu Handlungen, die letztlich entscheidend sind.
Dem Autor gelingt es auf besondere Weise, gleichzeitig humorvoll zu erzählen und der Schwere des Themas gerecht zu werden.
Stadtbücherei, Elisabeth Brendel
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