Hitzige Wahlkämpfe schon im 19. Jahrhundert
19. Februar 2026
© Stadtarchiv Pfaffenhofen
Die Wochen und Monate vor den Kommunalwahlen bedeuten eine besondere Herausforderung für die Kandidaten, die ein intensives Programm mit Wahlveranstaltungen und Auftritten bewältigen, um die Gunst der Wähler zu gewinnen. Dass schon im 19. Jahrhundert Wahlkämpfe sehr intensiv und mit viel Einsatz geführt wurden, zeigen einige Begebenheiten aus früherer Zeit.
Wahlkampf im Jahr 1871: Liberale gegen das Katholische Kasino
Mit der Gründung erster politischer Parteien ab 1848 begann sich eine politische Landschaft zu entwickeln, die im Lauf der 1860er-Jahre auch in Pfaffenhofen sichtbar wurde. Das Katholische Kasino und die Liberalen um Bürgermeister Anton Rieder veranstalteten erste Wahlkundgebungen. Dabei kam es wiederholt zu intensiven Auseinandersetzungen, die auch in der Presse sichtbar wurden. Die unterschiedlichen politischen Ansichten des Katholischen Kasinos, dessen Mitglieder nur moderate Reformen anstrebten, und den Liberalen, die technischen Fortschritt und die Liberalisierung des Gewerbelebens favorisierten, strahlten bis in das Vereinswesen aus, wo unterschiedliche politische Positionen zu Austritten in großer Zahl und zum vorübergehenden Stillstand im Vereinsleben führten. Auch kam es zu tätlichen Auseinandersetzungen und nächtlichen Schüssen auf die Häuser politischer Kontrahenten.
Intensiver Wahlkampf 1907
Im Vorfeld der Reichstagswahl des Jahres 1907 sorgten Parteiveranstaltungen in den hiesigen Gastwirtschaften zum Teil für tumultartige Szenen. Den aufmunternden Einladungen wie „Also auf, Männer, zur Zentrums-Versammlung nach Pfaffenhofen!“ und Zusicherungen „vollständiger Redefreiheit“ bei den Liberalen folgte die Bevölkerung in großer Zahl. Für Aufsehen sorgten Versammlungen der Sozialdemokratischen Partei, bei denen auch Frauen anwesend waren.
Mittlerweile waren neben den Liberalen und dem katholischen Zentrum auch die Sozialdemokraten, der Bauernbund und die christlich-soziale Partei im Bezirk aktiv. Zentrale Themen waren im frühen 20. Jahrhundert die deutschen Kolonien und deren Sicherung für wirtschaftliche Zwecke, die Erhebung von Schutzzöllen heimischer Produkte und die Förderung heimischer Produkte, um vom Ausland unabhängig zu werden. Insbesondere Hafnermeister Johann Strasser von der Christlich-Sozialen Partei war eine prägende Persönlichkeit dieser Zeit und trug Auseinandersetzungen mit politischen Gegnern auch über Stellungnahmen im Amtsblatt aus.
Anfangs genügten zwei Stimmbezirke
Nach dem Ersten Weltkrieg (1914–1918) gab es umfassende Reformen im Wahlsystem, als 1919 erstmals auch Frauen wählen durften. Bis in das 20. Jahrhundert reichten in Pfaffenhofen die beiden Wahlbezirke im Rathaus und in der Knabenschule (heute Joseph Maria Lutz-Schule) aus. Anfang der 1950er-Jahre waren nach dem Zuzug von Heimatvertriebenen und Flüchtlingen und der dadurch spürbar gestiegenen Einwohnerzahl bereits fünf Stimmbezirke notwendig, denen die beiden Bürgermeister Willi Stocker und Josef Brückl sowie acht Stadträte vorstanden. Die Gemeindegebietsreform der Jahre 1971 und 1972 und die 1957 eingeführte und seit 2008 allen Wählern offenstehende Möglichkeit der Briefwahl machten die Einrichtung weiterer Wahlbezirke notwendig.
Andeas Sauer, Stadtarchivar
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