Kahlschlag bei unabhängiger Asylberatung
30. Oktober 2026
© Elisabeth Steinbüchler
Ein Rückblick auf eine Reihe erfolgreicher Veranstaltungen, die Vorschau auf geplante Aktivitäten, vor allem aber Berichte aus den verschiedenen Arbeitskreisen, Ländergruppen usw. standen im Mittelpunkt der gut besuchten Mitgliederversammlung des Internationalen Kulturvereins Pfaffenhofen (IKVP) im Hofbergsaal. Außerdem gab es ein neues Vorstandsmitglied zu wählen, denn Recep Bal war von seinem Amt zurückgetreten, da er inzwischen mehrere Monate im Jahr in der Türkei verbringt. Als sein Nachfolger im IKVP-Vorstand wurde Seyfettin Kilic einstimmig gewählt, der auch Vorsitzender der türkisch-islamischen Ditib-Gemeinde ist.
Die IKVP-Vorsitzende Marita Emrich berichtete, dass der Verein seit der Schließung des Familienzentrums an der Rot-Kreuz-Straße keine Geschäftsstelle mehr hat und sich die Suche nach einem neuen, bezahlbaren Raum sehr schwierig gestaltet. Nach dem Kassenbericht und einem Lob der Kassenprüferinnen für Schatzmeister Ardian Ndreka wurde der Vorstand einstimmig entlastet. Ein herzliches Dankeschön richtete Marita Emrich an einige wichtige Akteure im Verein, die mit ihrem Engagement und ihren Ideen das Vereinsleben mitgestalten.
Marita Emrich ging auf einige Zahlen und die Struktur ihres Vereins ein. So ist die Mitgliederzahl inzwischen auf 90 gestiegen. Der IKVP hat sich die Verbesserung des Miteinanders von Einheimischen und Migranten zum Ziel gesetzt. Er macht sich für die Betreuung von Flüchtlingen und die Integration von Ausländern stark, leistet interreligiöse Arbeit und organisiert bzw. fördert interkulturelle Veranstaltungen. Dazu gibt es drei Arbeitskreise im Verein, nämlich den AK Asyl, geleitet von Gabi Dettke, die AG Tisch der Religionen und Kulturen (Sepp Steinbüchler) und den AK Schule und Sprache (Svitlana Ziskins). Sechs Ländergruppen werden vom Verein unterstützt, und zwar Arabien, Asien, Rumänien, Ukraine sowie der albanisch-deutsche Kulturverein Sali Çekaj und die türkisch-islamische Gemeinde Ditib.
Der Internationale Kulturverein arbeitet eng mit der Migrations- bzw. Flüchtlings- und Integrationsberatung der Caritas, mit der vhs und der KEB sowie den Kirchen und Religionsgemeinschaften zusammen, die gemeinsam mit den Ländergruppen und Arbeitskreisen den Beirat des IKVP bilden. Einige Beiratsmitglieder berichteten über ihre Arbeit und über Neuigkeiten, und ganz schlechte Nachrichten gab es dabei von der Caritas. Wie Caritas-Mitarbeiterin Jenny Nguemakwe Poungom erklärte, muss die Caritas ihr Angebot in der Flüchtlings- und Integrationsberatung künftig deutlich einschränken, da ab 2027 Gesetzesänderungen geplant sind (siehe weiter unten).
Der Vorsitzende von Sali Çekaj, Argent Ferizi, erinnerte an die gelungene Jubiläumsfeier zum zehnjährigen Bestehen der Mutter-Teresa-Statue neben der Stadtpfarrkirche. Ein Anliegen war es ihm aber, auf die Nachwuchssorgen vieler Vereine hinzuweisen – wobei er selbst zu den wenigen jungen Männern gehört, die Verantwortung in einem Verein übernehmen. „Wir müssen es schaffen, die jüngere Generation dazu zu bewegen, sich ehrenamtlich zu engagieren“, erklärte Ferizi, „denn nur gemeinsam sind wir stark!“
Dem stimmte auch der Ditib-Vorsitzende Seyfettin Kilic zu. Er berichtete vom Fastenbrechen im Ramadan und vom Frühjahrs- und Herst-Kermes an der Moschee mit Tagen der offenen Tür und Führungen durch den Gebetsraum. Aber auch Ditib fehlen junge Leute bei der Organisation und Durchführung, und daher regte Kilic an, künftig mehr Programm für junge Leute anzubieten.
Sonja Preller vertritt den IKVP schon seit Jahren im Bündnis für Familien des Landkreises Pfaffenhofen. Sie ist als Gründungsmitglied in allen drei Arbeitsgruppen vertreten, um den ausländischen Mitbürgern eine Stimme zu geben. Sie berichtete über eine ganze Reihe bedarfsorientierter Projekte, bei denen die Vereinbarung von Familie und Beruf oder auch Pflege, Bildung bzw. Inklusion im Mittelpunkt stehen. Bei allen Aktivitäten und Veröffentlichungen setzt sich Sonja Preller für eine Berücksichtigung der Interessen der Migranten ein.
Im AK Asyl, der vor allem ab 2015 Großes geleistet hat, gibt es nur noch wenige Ehrenamtliche, die sich um Flüchtlinge und Asylbewerber kümmern. Die AK-Leiterin Gabi Dettke berichtete vor allem über Schließungen von Unterkünften sowie Umverlegungen Geflüchteter innerhalb der Stadt und des Landkreises. Gabi Dettke fungiert weiterhin als Ansprechpartnerin, doch unter den Geflüchteten bestehen inzwischen wohl gute Netzwerke, vor allem unter den Ukrainern.
Die Arbeitsgemeinschaft „Tisch der Religionen und Kulturen“ unter der Leitung von Sepp Steinbüchler veranstaltet jeden Sommer das interreligiöse Friedensgebet im Bürgerpark sowie im Herbst einen Jahresempfang. Dabei fungiert immer eine andere Kirche bzw. Gruppe als Gastgeber. Das war vor einem Jahr die rumänisch-orthodoxe Kirche und vor wenigen Wochen nun die Neuapostolische Kirche. Im kommenden Jahr übernimmt voraussichtlich der albanisch-deutsche Kulturverein Sali Çekaj diese Rolle.
Oanh Nguyen berichtete über die Aktivitäten der asiatischen Ländergruppe, in der es z.B. eine philippinische Bibelgruppe gibt, vor allem aber eine starke vietnamesische Gruppe, die sich regelmäßig zu Karaoke-Abenden und Ausflügen trifft, ein Neujahrsfest veranstaltet und Kochkurse anbietet.
Die Rumänisch-orthodoxe Gemeinde und auch die ukrainische griechisch-katholische Gemeinde feiern regelmäßig Gottesdienste in der Spitalkirche bzw. der Stadtpfarrkirche und nutzen auch gern das katholische Pfarrheim, um sich zu treffen, ihre Kultur zu zeigen oder – wie vor kurzem am „Tag der Wohltätigkeit“ - Spenden für die Ukraine zu sammeln.
Kahlschlag bei unabhängiger Asylberatung
Der Kahlschlag bei der Unterstützung von Geflüchteten und Migranten geht weiter. Nachdem es bereits bei den Integrationskursen massive Streichungen gegeben hat, steht jetzt die unabhängige Asylberatung im Fokus der Sparmaßnahmen. Das Bundesinnenministerium plant, die Mittel für die unabhängige Asylverfahrensberatung ab 2027 um fast 80 Prozent zu kürzen. Stattdessen soll mehr Geld in die Abschiebung Geflüchteter fließen.
Der Gesetzentwurf sieht vor, dass nicht mehr jeder Asylbewerber Anspruch auf eine unabhängige Beratung, z. B. bei der Caritas, hat, sondern nur noch besonders schutzbedürftige Personen. Und auch inhaltlich sind Beschränkungen geplant, denn eine Hilfe beim Ausfüllen von Formularen o.ä. soll es nicht mehr geben.
Wohlfahrtsverbände wie Caritas, Diakonie, AWO, der Paritätische Gesamtverband und das Rote Kreuz warnen vor einem Kahlschlag, da sich Schutzbedürftigkeit oft erst im Beratungsprozess zeige und die Verfahren andernfalls länger dauern. Auch könne von Fairness oder neutraler Beratung keine Rede mehr sein, da eine Behörde, die über Asylanträge entscheidet, nicht zugleich unabhängig beraten könne.
Für die Wohlfahrtsverbände – und damit natürlich auch für die Caritas in Pfaffenhofen – hat die Gesetzänderung jedenfalls auch deutliche personelle Folgen.
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