Interview: Kinder fördern und Begeisterung für Bücher wecken
27. Oktober 2026
© a Scharnagl
Im Gespräch: Anna Scharnagl, ehrenamtliche Vorlese-Patin und Vorleserin
Ob in der Stadtbücherei, im Kindergarten oder in der Schule: Anna Scharnagl setzt sich dafür ein, dass Kinder Sprache entdecken, Geschichten erleben und Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten gewinnen. Seit ihrem Renteneintritt bringt sie dafür regelmäßig Zeit und Geduld mit und erlebt dabei immer wieder, wie viel Begeisterung ein Buch auslösen kann.
Wo und seit wann engagieren Sie sich ehrenamtlich?
Seit meinem Rentenbeginn 2020 engagiere ich mich in Pfaffenhofen als Lesepatin und Vorleserin. Angefangen habe ich mit der Leseförderung eines Grundschulkindes. Relativ schnell kam Corona, sodass wir unsere Lesestunden online abhalten mussten. Das war nicht einfach, weil der persönliche Kontakt fehlte. Umso mehr haben wir uns gefreut, als wir uns wieder wöchentlich in der Stadtbücherei treffen konnten.
Nach dem Lockdown habe ich Kontakt zur Stadtbücherei aufgenommen. Dort lese ich einmal im Monat, mittwochs um 16 Uhr, Kindern ab vier Jahren Geschichten vor und wirke auch beim monatlichen Bilderbuchkino am Freitag mit. Über die Stadtbücherei kam ich außerdem zur Heilpädagogischen Tagesstätte der Adolf-Rebl-Schule, wo ich seit drei Jahren Schulkinder bei der Leseförderung unterstütze. Weil ich schon immer gerne aufgeweckten Kindern Geschichten vorgelesen habe, bin ich außerdem einmal pro Woche im Ecolino-Kindergarten aktiv.
Was hat Sie motiviert, ein Ehrenamt zu übernehmen?
Geschichten vorzulesen und Kinder beim Lesenlernen zu unterstützen, ist eine Aufgabe, die mich fordert und mir gleichzeitig viel Freude bereitet. Es ist schön zu sehen, wenn eine Geschichte die Kinder begeistert oder sie mit der Zeit Fortschritte beim Lesen machen. Besonders motivierend ist es für mich, wenn ich erkenne, dass sich ihre Lesefähigkeiten in der Schule verbessern. Das bestärkt mich darin, die Kinder weiter zu begleiten und ihre Begeisterung für Bücher zu fördern.
Was bedeutet das Ehrenamt für Sie?
Für mich bedeutet es vor allem Verantwortung gegenüber den Kindern, ihren Eltern und den Erzieherinnen und Erziehern. Meine Aufgabe ist es zunächst, die Kinder fürs Lesen zu gewinnen und dabei ihre Interessen zu berücksichtigen. Nicht jedes Kind lässt sich allein durch ein Buch begeistern. Deshalb gehört für mich auch dazu, flexibel zu sein und mich auf die Kinder einzustellen. Manchmal spielen wir beispielsweise eine Runde „Mensch ärgere dich nicht“ oder ich bringe einen Ball mit. In der Pause spielen wir dann gemeinsam. So entsteht Vertrauen und die Kinder freuen sich auf die gemeinsame Zeit. Mir ist wichtig, dass sie sich wohlfühlen und das Lesen mit etwas Positivem verbinden.
Erinnern Sie sich an ein besonders schönes Erlebnis?
Die Kinder überraschen mich immer wieder. Vor wenigen Monaten erzählte mir ein Junge, dass er mit seinem Fahrrad zum Hauptplatz gefahren sei und sich von seinem Taschengeld ein Buch über Drachen gekauft habe. Er hatte bereits 50 Seiten gelesen. Es war sein erstes eigenes Buch. Diese Erzählung ist mir besonders in Erinnerung geblieben. Es ist schön zu erleben, wenn Kinder nicht nur Freude an Geschichten entwickeln, sondern auch von sich aus zum Buch greifen und selbst lesen möchten. Genau solche Momente zeigen mir, wie wertvoll die Leseförderung ist.
Welchen Rat würden Sie Menschen geben, die selbst mit dem ehrenamtlichen Vorlesen beginnen möchten?
Wichtig ist zunächst, einen ruhigen und angenehmen Ort auszuwählen und Bücher mit spannenden Geschichten mitzubringen. Dabei sollte man das Alter der Kinder berücksichtigen und sie, wenn möglich, selbst Bücher auswählen lassen. Natürlich können Eltern oder Betreuungspersonen vorher eine
Auswahl treffen. Es hilft außerdem, die Kinder aktiv einzubeziehen, Fragen zur Geschichte zu stellen und mit ihnen darüber zu sprechen. Auch Lob für ihre Konzentration und Mitarbeit ist wichtig.
Vor allem sollte man Geduld mitbringen und nichts erzwingen. Jedes Kind ist anders und entwickelt seine Freude am Lesen auf seine eigene Weise. Entscheidend ist, dass man selbst Spaß an Kindern, Büchern und Geschichten hat.
Bitte vervollständigen Sie diesen Satz: Ich engagiere mich aktiv für meine Stadt, weil …
ich finde, dass Kinder unsere Zukunft sind. Ich will sie unterstützen und fördern, soweit mir dies möglich ist.
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