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Leseinspiration im Frühling

Leseinspiration im Frühling © Hanser Verlag

Roberto Saviano:

Zero Zero Zero-Wie Kokain die Welt beherrscht

Kokain wird aus Kokablättern in Kolumbien, Bolivien, Peru und weiteren südamerikanischen Ländern

verarbeitet und es leben in diesen Regionen Tausende von Menschen vom Anbau, von der

Verarbeitung und vom Vertrieb dieser Suchtdroge. In diesem Buch beschreibt der Autor, der seit

seinem Enthüllungs-Bestseller Gomorrha unter Polizeischutz steht und Undercover recherchiert, die

Strukturen, die von den Drogenhändlern aufgebaut wurden um Kokain in fast jeden Winkel der Erde

zu transportieren. Der Name Pablo Escobar ging einige Jahre durch die Medien, ein berüchtigter Boss

von Drogenkartellen, der so immens viel Geld aus dem Rauschgifthandel zog, dass er in den 1990er

Jahren kurz davor war, das Land Kolumbien zu kontrollieren. Derartige Kartelle gibt es in Südamerika

unzählige, mal werden einige zerschlagen, dann werden neue aufgebaut. Sie verteidigen ihr

Geschäftsgebiet mit extremer Brutalität, wer Schwäche oder Menschlichkeit zeigt ist fast

automatisch ein toter Mann in diesem Haifischbecken. Sie betreiben Schiffs- und Flugzeugflotten

zum Transport des Kokains, verstecken es in doppelten Böden von Containern und sollten dann 500

Kilo von der Polizei entdeckt werden, beeinträchtigt das den Betrieb nur wenig. Kein Wunder bei

Straßenverkaufspreisen bis 80.000 € pro Kilo in Europäischen Abnehmerländern für das weiße Pulver.

Allein in Deutschland werden pro Jahr geschätzt 20 Tonnen Kokain aus allen Gesellschaftsschichten

konsumiert, ob das die Verkäuferin, der Geschäftsführer, der LKW-Fahrer oder der Abteilungsleiter

ist, ungefähr 5 % der Erwachsenenbevölkerung haben bereits zu der Aufputschdroge gegriffen. Die

USA ist wegen der unmittelbaren Nachbarschaft zu Mexiko ein bedeutender Absatzmarkt für Kokain,

auch aus diesem Grund begann die Trump-Administration 2017 mit dem Bau einer Grenzwand. Sie

wird ab 2025 weitergebaut werden. Das lesenswerte Buch hält sehr viele Orte und Namen von

Kartellen, Banden und deren Anführern bereit, die man durchaus mal nur überfliegen kann ohne die

Zusammenhänge aus den Augen zu verlieren.

Manfred Wittmann, Stadtbücherei

Antonia Michaelis:

Enia und der Regenzauber

Eine gewiefte Kinderbande in Madagaskar auf der Suche nach Regen.

Die Menschen in Madagaskar warten auf Regen. Und das schon sehr lange. Die Trockenheit macht der ohnehin sehr armen Bevölkerung das Leben zusätzlich schwer. Doch in der Nähe des großen Trockenwaldes gibt es eine kleine Dorfschule, in der die Lehrerin Maitresse Tui ihre Schüler mit viel Fantasie und einer gehörigen Prise Magie bei Laune hält. Die Lehrerin ist sozusagen eine afrikanische Mary Poppins, die auf ihrem Fahrrad mit dem Wind reisen kann und aus ihrem Fahrradkorb die verrücktesten Sachen hervorzaubert. Beharrlich hält sich bei Jung und Alt im Dorf die Sage vom Wasserlemuren, einem geflügelten, zumeist unsichtbaren Mini-Affen, der den Menschen den Segen des Wassers wiederbringen kann. Im fernen Deutschland wird auch Enia, die Tochter eines ehemaligen Naturforschers, bei einer Internetrecherche zufällig auf den sagenumwobenen Wasserlemuren aufmerksam. Er gilt eigentlich als ausgestorben, wurde aber angeblich vor kurzem von einem Touristen gesehen und sogar fotografiert. Enia ist auf der Stelle fasziniert von dem fabeltierartigen Wesen und überredet ihren Vater, auf Forschungsreise nach Madagaskar aufzubrechen. Gemeinsam mit den Schülern von Maitresse Tui starten die beiden eine abenteuerliche, fantastische, aber auch lebensgefährliche Suche nach dem Wasserlemuren.

Auch wenn Verfilmungen den geschriebenen Geschichten oft etwas von ihrem Zauber nehmen, ruft dieses Buch schon jetzt nach Kino! Die einzelnen Charaktere sind so erfrischend vielfältig dargestellt, dass man sie direkt bildlich vor sich sieht. Die Verquickung von Magie und Realität ist so rätselhaft, dass man das Land Madagaskar am liebsten selbst kennenlernen möchte. Sehr gekonnt umgesetzt auch das kindlich unbedarfte Aufeinandertreffen der unterschiedlichen Kulturen. Und wer schon jetzt bewegte Bilder sehen möchte, findet über die äußerst originelle Website der Autorin einen kleinen Buchtrailer.

Elisabeth Brendel, Stadtbücherei

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