Lokalbahnprojekt, Badelocation und Industriestandort - Das sich wandelnde Umfeld des Gerolsbachs
30. Juli 2025

Der an Niederscheyern vorbei, in sanftem Tempo auf die Stadt zulaufende Gerolsbach ist seit Jahrzehnten ein beliebter Naherholungsraum, Standort des Skulpturenparks und lädt zu entspannenden Spaziergängen ein. Das Umfeld des Bachs war in früherer Zeit schon einmal für ein Eisenbahnprojekt ausersehen und erlebte später ganz unterschiedliche Nutzungen, die das Areal ab den 1960er Jahren deutlich verändern sollten.
Die Eisweiher am Gerolsbach
Die Kühlung des Bieres durch die Pfaffenhofener Brauer erfolgte bis weit in das 20. Jahrhundert hinein mithilfe von Eisblöcken, die aus den Weihern an der Scheyerer Straße gewonnen wurden. Dort besaßen die Bierbrauer Flächen, die sie zu gegebener Zeit fluteten, um im Winter Eis zu gewinnen. Zugleich dienten die Flächen schon in den 1930er Jahren dem Eislaufen und Eisstockschießen. Das Wasser für die Weiher floss aus dem Gerolsbach, von dem es per Zuleitung in die Weiher ein- und abgelassen werden konnte. Bis zum Baubeginn der heutigen Realschule im Jahr 1966 erfüllten die Eisweiher diesen Zweck.
Das Lokalbahnprojekt „Gerolsbachtalbahn“ 1899
In die Ära der Lokalbahnen am ausgehenden 19. Jahrhundert fiel auch das Projekt einer Eisenbahnlinie von Pfaffenhofen entlang des Gerolsbachtals an Mitterscheyern vorbei Richtung Klenau. Die Strecke war bereits ausgesteckt und vermessen, doch kam das Vorhaben, das im Endstadium bis Aichach geführt hätte, nie zur Ausführung.
Die Ansiedlung der Luitpoldwerke 1943
Während des Zweiten Weltkriegs kamen kriegsbedingt evakuierte Industriebetriebe nach Pfaffenhofen. Einer davon waren die in München beheimateten Luitpoldwerke. Aufgrund der zunehmenden Fliegergefahr und bereits erfolgter schwerer Luftangriffe im Jahr 1943 erfolgte eine Verlegung der Produktion aus der bayerischen Landeshauptstadt nach Pfaffenhofen. Am Gerolsbach errichtete die Geschäftsführung mehrere Baracken, in denen ohne unmittelbare Bedrohung durch Luftangriffe die Fertigung von Arzneimitteln fortgesetzt werden konnte. Bis zur Fertigstellung des Neubaus an der äußeren Ingolstädter Straße 1963 blieb das Unternehmen am Gerolsbach ansässig.
Freibad am Gerolsbach 1949
Nach dem Zweiten Weltkrieg sehnte sich die Bevölkerung schnell wieder nach Abwechslung, Unterhaltung und (Bade-)Spaß. Die Stadt errichtete deshalb am Gerolsbach im Jahr 1949 ein neues Freibad. Es konnte in den wirtschaftlich belasteten Nachkriegsjahren und trotz herrschenden Materialmangels mit viel Eigenarbeit, durch Spenden und über Aktionen wie Radrennen und Sportwettkämpfe, die vor mehr als 1000 Zuschauern ausgetragen wurden, finanziert und in den folgenden Jahren ausgebaut werden.
Das Schulzentrum am Gerolsbach
Mit der Grundsteinlegung für das erste Gymnasium in Pfaffenhofen an der Scheyerer Straße und der mit der Errichtung der Gerhardinger Grundschule in den Jahren 1966 und 1967 gab die Stadt den Gründungsimpuls für das neue Schulzentrum am Gerolsbach. Der Schulstandort erlebte mit dem Bau der Hauptschule und der Adolf-Rebl-Schule 1975 sowie der Errichtung des neuen Gymnasiums, das im Oktober 1976 eröffnet wurde, seine Vollendung. In einer Zeit umfassender Bildungsreformen war die Stadt nun hervorragend auf künftige Anforderungen vorbereitet.
Andeas Sauer, Stadtarchivar
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