Peter Thiers wird neuer Lutz-Stipendiat
06. Februar 2026
© Sebastian Vetter
Der Stipendiat 2026 des Joseph-Maria-Lutz-Stipendiums der Stadt Pfaffenhofen steht fest: in der finalen Sitzung hat die Jury rund um den ehemaligen Kulturreferenten und Schriftsteller Steffen Kopetzky eine Entscheidung getroffen. Peter Thiers wird für drei Monate in den Flaschlturm ziehen.
Ende November 2025 endete die Bewerbungsfrist für das Lutz-Stipendium 2026 in Pfaffenhofen. Die Bewerberinnen und Bewerber waren angehalten bis zu 10 Normseiten Textprobe einzureichen. Gut 85 Einsendungen aus dem deutschsprachigen Raum wurden durch die Jury begutachtet. Ende Januar fand die abschließende Sitzung zur Auswahl statt.
In der Sitzung herrschte unter den Jurymitgliedern rasch Einigkeit: Neben dem Juryvorsitzenden Steffen Kopetzky gehörten dem Gremium der amtierende Kulturreferent Reinhard Haiplik, die Galeristin Lea Heib sowie in diesem Jahr erstmals der Gymnasiallehrer Roland Scheerer an, der selbst auch schriftstellerisch tätig ist. Überzeugt hat die Jury der Text „Wo die See kein Ufer kennt“ von Peter Thiers.
In seinem Textauszug wählt Thiers einen Einstieg, der bewusst Fragen offenlässt und Spannung im Hinblick auf den weiteren Verlauf der Erzählung erzeugt. Der Ich-Erzähler, Sohn eines Öltankerkapitäns, gewährt in der Rückschau eindringliche Einblicke in seine Kindheit, die zunächst von der liebevollen Zuwendung der Mutter sowie von der physischen wie emotionalen Abwesenheit des Vaters geprägt ist.
Peter Thiers ist Dramatiker. Sein Talent zeigt sich auch bei seinen Prosa-Texten in der Fähigkeit, mit wenigen Protagonisten ein klares und für die Leserschaft leicht vorstellbares Setting zu entwerfen. Der literarische Raum erweist sich als äußerst zugänglich, die Sprache hat eine gewisse Eleganz, jedoch ohne manieriert zu wirken. So entsteht ein dichtes Interesse an der klassisch erzählten Geschichte, in der die teils extremen Parallelwelten innerhalb einer Familie deutlich hervortreten. Thiers gelingt es, aus der Perspektive eines Kindes emotional zu erzählen und diese Gefühlswelt auf die Lesenden zu übertragen. Die präzisen Schilderungen der kindlichen Fantasiewelt sowie das Changieren zwischen elterlicher Liebe und harscher Zurückweisung gestaltet Thiers eindringlich. Ein zentraler Spannungspunkt bleibt die offene Frage, wie der Protagonist mit der frühkindlichen Prägung im Elternhaus umgehen wird und wie sich die Geschichte im weiteren Verlauf entwickelt.
Peter Thiers studierte Dramaturgie an der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig und der Hochschule für Musik und Theater Hamburg. Für sein Drama „Warten auf Sturm“ erhielt er 2019 den Kleist-Förderpreis für neue Dramatik. Sein Stück „Paradiesische Bauten“, das mit dem Hamburger Literaturpreis 2020 ausgezeichnet wurde, brachte er in der Spielzeit 2020/21 am Thalia Theater Hamburg in eigener Regie zur Uraufführung. 2021 war er Finalist des 29. open mike und erhielt seit 2022 zahlreiche Stipendien, zuletzt 2025 das Stipendium des writers’ room Hamburg und der Kölner Schmiede des Literaturhauses Bonn. Sein aktuelles Theaterstück „Zähne und Krallen“ ist bereits an mehreren deutschsprachigen Theatern aufgeführt worden. Peter Thiers lebt in Hamburg.
Überzeugt hat die Jury neben dem eingereichten Text die literarische Vielseitigkeit des Autors. Der 1991 geborene Dramatiker Peter Thiers ist in unterschiedlichen Genres tätig und arbeitet derzeit unter anderem als Regisseur am Theater. Die Vielfalt und Offenheit, mit der sich Thiers in seiner Bewerbung präsentiert, lassen zudem auf ein hohes Maß an kulturellem Engagement sowie auf fruchtbare Kooperationen und Interaktion mit Pfaffenhofen hoffen. Mit Spannung wird erwartet, wie der Autor mit seinem dramaturgischen Gespür alltägliche Erfahrungen und Beobachtungen während seines Aufenthalts in seinen Pfaffenhofener „Zwischenfall“-Text integrieren wird. Peter Thiers, der „literarische Kapitän“ aus Hamburg, soll frischen (See-)Wind in die Kleinstadt bringen.
Thiers wird im Mai in den Flaschlturm ziehen und die Sommermonate dort verbringen. Als Abschluss seines Stipendienaufenthalts steht die Präsentation des Pfaffenofen-Textes – seines „Zwischenfalls“ – im Rahmen des diesjährigen Pfaffenhofener Kultursommers.
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