Pfaffenhofener Erhaltungspreis für drei Raritäten
25. Juni 2026
Zum vierten Mal begrüßten Bürgermeister Thomas Herker und die HKK-Vereinsvorsitzende Ursula Beyer die Preisträger und Gäste zur Verleihung des Pfaffenhofener Erhaltungspreises im Rathaussaal. Seit dem Jahr 200 zeichnete der Heimat- und Kulturkreis Pfaffenhofen a. d. Ilm e. V. im Zweijahresturnus gepflegte alte Häuser aus, um die Wertschätzung für Altbauten zu fördern, in der Hoffnung, der Abrissbirne entgegenzuwirken. Denn es ist oft schade um die Kunst alter Baumeister und Handwerker, wenn ein altes Gebäude verfällt und schließlich verschwindet. Damit geht ein Stück vertrauter Heimat verloren und die „graue Energie“, die beim Bau und Abriss aufgewendet wurde.
Dieses Jahr haben sich drei Hausbesitzer um den Preis beworben, und jedes von ihnen ist eine Rarität:
Das jüngste ist das typische Einfamilienhaus in der Schrobenhausener Straße 1 aus der Nachkriegszeit, Baujahr 1948 im Besitz der Familien Stächelin und Prummer. Im Gegensatz zu den meisten Häusern aus dieser Zeit wurde es nicht angebaut, aufgestockt oder abgerissen, sondern steht noch unverändert und unverschandelt in der Schrobenhausener Straße nahe dem Bahnhof, erbaut von Baumeister Gerhard Schicht für seinen Auftraggeber, den Sägewerksbesitzer Alois Pedrotti.
Der wusste Bescheid über Holzqualität, so dass im Inneren vor allem die elegante Eichentreppe und das glänzende Holzparkett in allen Wohnräumen beeindrucken. Auch die Fenster und Fensterläden sind immer noch die ursprünglichen, so dass der Charme des Hauses erhalten geblieben ist.
Es ist nicht mehr in Familienbesitz, doch die neuen Eigentümer schätzen und pflegen die individuellen Besonderheiten des Hauses und wurden dafür mit einer Urkunde ausgezeichnet. Ihre Arbeit geht weiter, z. B. wollen sie die Gartenanlage wieder nach altem Muster gestalten.
Über 100 Jahre älter ist das historische Bauernhaus der Familien Thalmaier und Burger in Eckersberg aus dem Jahre 1923, eines der wenigen alten Bauernhäuser in der Region, die nicht durch Neubauten ersetzt worden oder dem Verfall preisgegeben sind.
Hier überzeugt vor allem das äußere Erscheinungsbild, das sich im Vergleich zum ursprünglichen Zustand kaum verändert hat. Die Fassaden des langgestrecken Satteldachbaus ist vielfältig gestaltet: Vom gelben Rauhputz setzen sich glatte, weiße Fensterumrahmungen ab, weiße Bänder, die die Fassade gliedern, dazwischen schmückende Ovale und Rauten und im Giebel eine Tafel mit dem Baujahr und den Namen der Erbauer Johann und Sofie Thalmaier.
Geradezu vornehm wirkt das Eingangsportal: Zwei weiße Pilaster stützen ein kleines Vordach über den drei Stufen zum zurückgesetzten Eingangsbereich mit zwei asymmetrischen Fenstern links und rechts von der historischen Haustür. Als in den 1970er- Jahren neue Fenster notwendig wurden, orientierte man sich am Vorbild der alten Sprossenfenster. Für ebenfalls mit einer Urkunde ausgezeichnet.
Und schließlich das „Weberhäusl“ von Maria Cetinbas am Draht, Baujahr wohl 1705. Es ist eines der letzten noch erhaltenen „Greddach-Häuser“, ein Kleinbauernhaus mit dem typischen Dachüberstand auf der Eingangsseite. Wegen seiner Besonderheit steht es unter Denkmalschutz.
Die Restauratorin hatte das einsturzgefährdete Baudenkmal 2008 erworben und mit außerordentlichem Engagement denkmalgerecht repariert, restauriert und liebevoll gestaltet. Durch ihren Beruf kennt sie die passenden Materialien und Techniken. So entstand ein äußerlich bescheidenes, einzigartiges Häuschen mit hoher Wohnqualität. Ein sehr gefährdetes Baudenkmal blieb erhalten und erstand in neuem Glanz. Dafür wurde dem Haus und ihrer Besitzerin die Siegerplakette verliehen, die bald neben der Haustür an der Fassade prangen wird.
Die Zahlreichen Gäste hatten die Einblicke in die Häuser und ihre Geschichte genossen und verbrachten die nächste Stunde im zwanglosen Gespräch bei leiblichen Genüssen. Der Heimat- und Kulturkreis Pfaffenhofen a. d. Ilm e. V. hofft für die Zukunft auf zahlreiche geeignete Bewerber um den Erhaltungspreis und auf einen positiven Effekt auf unsere gebaute Umwelt.
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