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Seit über 150 Jahren engagieren sich Ehrenamtliche in Pfaffenhofen für die Gesellschaft

Honoratiorinnen in der Küche des Vereinslazaretts an der Schulstraße (1916) © Stadtarchiv Pfaffenhofen

Vielfältige Bereiche des Gemeinwesens werden erst durch den freiwilligen Einsatz zahlreicher Bürger möglich. Diese übernehmen wichtige Aufgaben in der Feuerwehr, im Roten Kreuz, in sozial ausgerichteten Vereinen sowie im Bereich von Kultur, Gesellschaft und Sport und prägen das Miteinander in der Stadt.

Anfänge ehrenamtlicher Tätigkeit

Mit dem Beginn des Vereinswesens in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts nahm das Ehrenamt seinen Anfang. Die Bereitstellung guter Bücher und Zeitschriften durch die Mitglieder des 1829 gegründeten Lesevereins ermöglichte es der Bevölkerung erstmals, etwas für die eigene Bildung zu tun. Die Möglichkeiten, sich für die Mitmenschen zu engagieren, weiteten sich mit der Gründung neuer Vereine ab den 1860er Jahren aus.

Im 1862 gegründeten Männerturnverein (MTV) erwies sich der aus Schleswig-Holstein nach Pfaffenhofen gekommene Dekorationsmaler Adolf von Horsten als treibende Kraft. Er war Mitbegründer des Vereins, dessen Mitglieder als gut ausgebildete Sportler auch in der zeitgleich geschaffenen „Turnerwehr“ (seit 1865 Freiwillige Feuerwehr) wertvolle Dienste in der Brandbekämpfung leisteten. Zudem war von Horsten auch in verschiedenen, damals entstehenden Schützengesellschaften aktiv und warb um Nachwuchs.

Ein Musterbeispiel für das Engagement im Ehrenamt boten die Mitglieder der „Freiwilligen Sanitätskolonne“ unter ihrem Kolonnenführer Franz Xaver Kunesch. Sie leisteten seit Gründung dieser Einrichtung 1893 im Zeichen des Roten Kreuzes unter selbstlosem Einsatz zahlreiche Rettungsfahrten im gesamten Landkreis.

Die Mitglieder des 1867 gegründeten Verschönerungsvereins machten sich angesichts der Veränderungen im Stadtbild dessen Erhalt zur Aufgabe. Hauptsächlich über die Pflanzung von Bäumen, die Gestaltung von Grünanlagen und die Schaffung von Erholungsbereichen werteten sie die Aufenthaltsqualität in der Stadt auf.

Ehrenamtliches Engagement von Frauen

Frauen konnten sich ebenfalls nach 1860 in verschiedenen Organisationen einbringen. Mit der Gründung des „Frauenvereins vom Roten Kreuz“ 1866 unterstützten Pfaffenhofener Bürgerinnen verwundete Soldaten der Kriege von 1866 und 1870/71 durch Sammlungen von Geldspenden und benötigten Hilfsgütern.

Anna Kittenbacher, die Frau des früheren Bürgermeisters und Stadtpfarrmesners Augustin Kittenbacher, machte sich das Wohl der Kinder zur Herzensangelegenheit. Sie war treibende Kraft bei der Gründung der „Kleinkinderbewahranstalt“, des ersten Kindergartens in Pfaffenhofen, und förderte mit einigen Mitstreiterinnen die Ausstattung dieser Einrichtung. Die Namen von Klara und Lina Kanzler sind mit ihrem großen Engagement während des Ersten Weltkriegs (1914–1918) verbunden. Sie sorgten damals mit weiteren Frauen aus dem gehobenen Bürgertum für die Genesung der in großer Zahl in die Lazarette gebrachten Soldaten. Über zahlreiche, auch in jüngster Zeit neu entstandene Vereine und Organisationen engagieren sich mittlerweile Männer und Frauen aller Altersklassen für das Gemeinwohl in der Stadt. Sie tragen, oft im Hintergrund und in unterschiedlichsten Bereichen arbeitend, wesentlich zu einem lebenswerten Pfaffenhofen bei.

Andeas Sauer, Stadtarchivar

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