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Velozipedisten und die Anfänge der Motorisierung

Pfaffenhofener Fahrradpioniere mit Hoch -und Flachrädern (um 1895) © Stadtarchiv Pfaffenhofen

Die Mobilität der Bevölkerung, die bis weit in das 19. Jahrhundert hinein meist zu Fuß erfolgte, erfuhr durch technische Neuerungen ab den 1880er Jahren völlig neue Impulse. Die Entdeckung des Tempos – nicht nur mittels der Eisenbahn – veränderte den Alltag und stellte Bevölkerung und Stadtverwaltung vor neue Herausforderungen.

Erste Hochräder in der Stadt

Die 1817 erstmals in Baden zu sehende „Draisine“, benannt nach ihrem Entwickler Carl von Drais, bildete als „einspurige Laufmaschine“ die Urform der ein halbes Jahrhundert später aufkommenden Fahrräder. Zunächst als Hochräder mit Tretkurbel am Vorderrad, begannen sie seit 1880 auch Pfaffenhofen zu erobern. Die ersten Fahrräder kosteten vier Handwerker-Monatslöhne und waren deshalb nur für wenige erschwinglich.

Fahrradhändler und Mechaniker sorgen für den Durchbruch des Fahrrads

Mit technischen Fortschritten und dem Aufkommen der Flachräder ab den 1890er Jahren trat das neue Verkehrsmittel seinen Siegeszug an. Die Gefährte wurden komfortabler und Fahrradhändler wie Albert Gschwendtner oder der Büchsenmacher Carl Fisch konnten Räder der Marken Hilmann, Dürkopp oder Victoria zu zunehmend günstigeren Preisen und jetzt mit „Luftkissengummireifen“ anbieten.

Die Gründung des „Veloziped-Clubs Pfaffenhofen“

Die ersten Fahrradpioniere gründeten im Jahr 1882 den „Veloziped-Club Pfaffenhofen“, um sich bei Reparaturen zu unterstützen, die Geselligkeit zu pflegen und mit Radrennen an die Öffentlichkeit zu treten. Das Rennen Pfaffenhofen

–Paindorf–Pfaffenhofen machte den Anfang, im Jahr 1894 veranstaltete der Verein sogar eine Radfernfahrt nach München und zurück, die der Sieger in drei Stunden bewältigte. Die Radrennen waren eine Attraktion für die Bevölkerung und zugleich eine Werbung für das neue Verkehrsmittel.

Rasante Radler und die Einführung von Fahrradordnungen

Das neue Tempo, das einzelne Radler in der Stadt an den Tag legten, war vielen nicht vertraut und sorgte wiederholt für Konflikte. Das „mit unerhörtem Tempo um die Ecke fahren“ führte zum Überfahren von Passanten und veranlasste das Bezirksamt (heute Landratsamt) und die Stadtverwaltung zum Ergreifen von Gegenmaßnahmen. So wurden schmälere Straßen für Radler gesperrt, laut einer Fahrradordnung musste beim Abbiegen und Überholen mit Glocke oder Pfeife ein Signal gegeben werden. Übertretern drohten Geld- oder Gefängnisstrafen bis zu 14 Tage.

Die Anfänge der Motorisierung in Pfaffenhofen

Das 20. Jahrhundert wurde zum Zeitalter der Mobilität. Die „private“ Motorisierung begann in kleinen Schritten nach 1900. In der Stadt verkehrten im Jahr 1909 zunächst nur acht Krafträder und vier Automobile, deren Zahl sich nach dem Ersten Weltkrieg (1914–1918) langsam erhöhte. Überwiegend Geschäftsleute waren motorisiert unterwegs.

Durchbruch des Individualverkehrs in den 1950er Jahren

Im Lauf der 1950er Jahre explodierte der Verkehr zahlenmäßig auf Pfaffenhofens Straßen. Fahrräder wurden zum Allgemeingut, Mopeds, Roller und Motorräder waren stark im Kommen und die Zahl der Automobile im Landkreis nahm von 500 im Jahr 1950 auf gut 6.000 zehn Jahre später zu. Der wachsende Wohlstand im Nachkriegsdeutschland war jetzt auch in der individuellen Mobilität sichtbar.

Andeas Sauer, Stadtarchivar

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