Zwei Geschichten über Verantwortung und Zusammenhalt
28. April 2026
Ein glückliches Tal:
Morland, Polly
Porträt einer britischen Landärztin im 21. Jahrhundert
Besonders spannend an diesem Buch ist der Entstehungshintergrund. Polly Morland, eine britische Dokumentarfilmerin, Autorin und Journalistin räumt das Haus ihrer dementen Mutter aus, als diese in ein Pflegeheim umziehen muss. Dabei findet sie hinter dem Bücherregal eine verstaubte Taschenbuchausgabe des in Medizinerkreisen als Klassiker bekannten Werks „A Fortunate Man“ von John Berger, erstmals veröffentlicht 1967 (in Deutschland 1998 unter dem Titel „Geschichte eines Landarztes“). In diesem Buch hat John Berger gemeinsam mit dem Fotografen Jean Mohr das Leben und Arbeiten eines britischen Landarztes in den sechziger Jahren porträtiert. Beim Hineinblättern stellt Polly Morland überrascht fest, dass die Fotos Ausschnitte aus dem abgelegenen Tal an der Grenze zu Wales zeigen, in dem sie selbst seit zwei Jahrzehnten lebt. Und sie kennt die aktuell in diesem Tal praktizierende, von den Einwohnern geschätzte und geliebte Landärztin, sozusagen eine Nachfolgerin des in „A Fortunate Man“ unter dem Pseudonym Dr. John Sassall abgebildeten Arztes. Schnell ist der Kontakt zur Ärztin hergestellt. Und sehr schnell wird klar, dass diese Frau ihrer Arbeit als Ärztin mit genauso großer Leidenschaft und Menschlichkeit nachgeht wie ihr Vorgänger vor gut sechzig Jahren. Polly Morland begleitet sie ein Jahr lang in ihrem Alltag und entwickelt ein aktuelles Porträt dieser Landärztin, das formal bewusst an das Original von 1967 angelehnt ist. Sie zeigt darin die Gemeinsamkeiten in der Arbeit der beiden Mediziner auf, beschreibt aber auch die Veränderungen und neuen Herausforderungen, die medizinischer und gesellschaftlicher Fortschritt mit sich gebracht haben.
Mit teilweise poetisch anmutenden Texten und eingestreuten Schwarz-Weiß-Fotografien entführt uns die Autorin in das abgelegene, teils verschroben wirkende Tal und macht erlebbar, wie gewinnbringend dauerhafte Beziehungen in der medizinischen Betreuung für beide Seiten sein können. Lesenswert für Ärzte- und Patientenseite.
Maggie Müller ermittelt –
Ein GANS furchterregender Fall:
Patwardhan, Rieke
Zwei mutige Kinder lösen auf spannender Gänsejagd einen überraschenden Kriminalfall.
Maggie Müller ist furchtlos, hoch intelligent und sehr direkt in ihren Aussagen. Sie hat ein Faible für Schottland und spielt Dudelsack. Für die Zeit nach der Schule hat sie ganz konkrete Pläne: Sie wird Ermittlerin bei Police Scotland und schreibt in ihrer Freizeit realitätsnahe Krimis über ihre eigenen Fälle. Zu Gleichaltrigen hat Maggie kaum Kontakt, da sie ihre eigene Denkweise hat, die viele nicht nachvollziehen können, und ihr der Zugang zur Gefühlswelt der anderen oft fehlt. Ihr persönlich reicht ohnehin ihr einziger und bester Freund Samuel völlig aus. Samuel ist ein besonders empathischer Junge, der sich gut in andere hineinversetzen, sehr analytisch denken und praxisorientiert handeln kann. Schneller als erwartet rutschen die beiden Kinder in ihren Schulferien in ihren ersten Kriminalfall. Alfredo und Spätzle, die Hausgänse der in der Nachbarschaft wohnenden, an extremen Ängsten leidenden Kinderbuchautorin Violetta Winkelmann, wurden gestohlen. Da Violetta auch Angst vor der Polizei hat, bittet sie lieber die ambitionierte Ermittlerin Maggie Müller um Hilfe, die liebend gerne mit ihrem persönlichen Profiler Samuel Goldfarb zum Einsatz anrückt. Wer ist der Gänsedieb? Etwa die Veganer-WG um die Ecke? Nachbar Johannes, der so gerne Gänsebraten isst? Oder hat Violettas Literaturagentin Rosi Borowski, die immer wieder unvermittelt auf der Bildfläche auftaucht, ihre Hände im Spiel? Die Kinder haben viele Spuren zu verfolgen, während ihre Freundschaft und ihr Teamgeist mehr als einmal auf die Probe gestellt werden.
Ein lustiger, unterhaltsamer Kinderkrimi ab 8 Jahren mit vielen schrägen Ideen und bewusst (neuro)divers angelegten Figuren.
Elisabeth Brendel, Stadtbücherei Pfaffenhofen
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