Joseph-Maria-Lutz-Stipendium 2026: Peter Thiers

Der neue Lutz-Stipendiat Peter Thiers hat Mitte Mai 2026 sein neues Zuhause auf Zeit – den Flaschlturm an der Stadtmauer – bezogen. Während der kommenden drei Monate wird Thiers dort leben und arbeiten. Inspiriert von seinem Aufenthalt in Pfaffenhofen entsteht dabei sein sogenannter „Zwischenfall“ – ein literarischer Text auf den Spuren von Joseph Maria Lutz, den er am Freitag, 31. Juli, im Rahmen des Kultursommers der Öffentlichkeit vorstellen wird.
Mit Peter Thiers soll frischer „See“-Wind nach Pfaffenhofen kommen. Der deutsche Autor, Dramatiker und Regisseur wuchs in Rostock auf und lebt und arbeitet heute in Hamburg. Derzeit erkunde er die Gassen rund um den Flaschlturm und freue sich auf die bevorstehende Zeit in Pfaffenhofen, so Thiers.

Zur offiziellen Begrüßung im Flaschlturm empfingen Bürgermeister Thomas Herker, Kulturreferent Reinhard Haiplik, Juryvorsitzender des Lutz-Stipendiums Steffen Kopetzky sowie Sebastian Daschner, Leiter des Sachgebiets Kultur und Veranstaltungen, den neuen Stipendiaten. Thomas Herker überreichte ein Willkommensgeschenk und wünschte eine inspirierende und erfolgreiche Zeit in Pfaffenhofen.
Ende November 2025 endete die Bewerbungsfrist für das Lutz-Stipendium 2026 in Pfaffenhofen. Die Bewerberinnen und Bewerber waren angehalten bis zu 10 Normseiten Textprobe einzureichen. Gut 85 Einsendungen aus dem deutschsprachigen Raum wurden durch die Jury begutachtet. Ende Januar fand die abschließende Sitzung zur Auswahl statt.
In der Sitzung herrschte unter den Jurymitgliedern rasch Einigkeit: Neben dem Juryvorsitzenden Steffen Kopetzky gehörten dem Gremium der amtierende Kulturreferent Reinhard Haiplik, die Galeristin Lea Heib sowie in diesem Jahr erstmals der Gymnasiallehrer Roland Scheerer an, der selbst auch schriftstellerisch tätig ist.
„Wo die See kein Ufer kennt“
Überzeugt hat die Jury der Text „Wo die See kein Ufer kennt“ von Peter Thiers. In seinem Textauszug wählt Thiers einen Einstieg, der bewusst Fragen offenlässt und Spannung im Hinblick auf den weiteren Verlauf der Erzählung erzeugt.
Der Ich-Erzähler, Sohn eines Öltankerkapitäns, gewährt in der Rückschau eindringliche Einblicke in seine Kindheit, die zunächst von der liebevollen Zuwendung der Mutter sowie von der physischen wie emotionalen Abwesenheit des Vaters geprägt ist.
Peter Thiers ist Dramatiker. Sein Talent zeigt sich auch bei seinen Prosa-Texten in der Fähigkeit, mit wenigen Protagonisten ein klares und für die Leserschaft leicht vorstellbares Setting zu entwerfen. Der literarische Raum erweist sich als äußerst zugänglich, die Sprache hat eine gewisse Eleganz, jedoch ohne manieriert zu wirken. So entsteht ein dichtes Interesse an der klassisch erzählten Geschichte, in der die teils extremen Parallelwelten innerhalb einer Familie deutlich hervortreten. Thiers gelingt es, aus der Perspektive eines Kindes emotional zu erzählen und diese Gefühlswelt auf die Lesenden zu übertragen. Die präzisen Schilderungen der kindlichen Fantasiewelt sowie das Changieren zwischen elterlicher Liebe und harscher Zurückweisung gestaltet Thiers eindringlich.
Ein zentraler Spannungspunkt bleibt die offene Frage, wie der Protagonist mit der frühkindlichen Prägung im Elternhaus umgehen wird und wie sich die Geschichte im weiteren Verlauf entwickelt.
Werdegang

Peter Thiers studierte Dramaturgie an der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig und der Hochschule für Musik und Theater Hamburg. Für sein Drama „Warten auf Sturm“ erhielt er 2019 den Kleist-Förderpreis für neue Dramatik. Sein Stück „Paradiesische Bauten“, das mit dem Hamburger Literaturpreis 2020 ausgezeichnet wurde, brachte er in der Spielzeit 2020/21 am Thalia Theater Hamburg in eigener Regie zur Uraufführung. 2021 war er Finalist des 29. open mike und erhielt seit 2022 zahlreiche Stipendien, zuletzt 2025 das Stipendium des writers’ room Hamburg und der Kölner Schmiede des Literaturhauses Bonn. Sein aktuelles Theaterstück „Zähne und Krallen“ ist bereits an mehreren deutschsprachigen Theatern aufgeführt worden. Peter Thiers lebt in Hamburg.
Überzeugt hat die Jury neben dem eingereichten Text die literarische Vielseitigkeit des Autors. Der 1991 geborene Dramatiker Peter Thiers ist in unterschiedlichen Genres tätig und arbeitet derzeit unter anderem als Regisseur am Theater. Die Vielfalt und Offenheit, mit der sich Thiers in seiner Bewerbung präsentiert, lassen zudem auf ein hohes Maß an kulturellem Engagement sowie auf fruchtbare Kooperationen und Interaktion mit Pfaffenhofen hoffen. Mit Spannung wird erwartet, wie der Autor mit seinem dramaturgischen Gespür alltägliche Erfahrungen und Beobachtungen während seines Aufenthalts in seinen Pfaffenhofener „Zwischenfall“-Text integrieren wird.